Bundesliga

DFL: DAZN will "Keil in die Liga treiben" - 80 Mio. Euro weniger

Neue Rundschreiben mit heftigen Vorwürfen

DFL: DAZN will "Keil in die Liga treiben" - 80 Mio. Euro weniger

IMAGO/Jan Huebner

So schreiben die beiden Geschäftsführer, Dr. Steffen Merkel und Dr. Marc Lenz, in einem dem kicker vorliegenden Rundschreiben an die 36 Klubs folgendes: "DAZN stellt sowohl in seinen jüngsten Schreiben an die DFL als auch in öffentlichen Stellungnahmen erneut Tatsachen bewusst falsch dar, nimmt Verkürzungen vor und versucht, die Öffentlichkeit in die Irre zu führen. Dies scheint vorrangig einem Ziel zu dienen: Einen Keil in die Liga zu treiben und Zweifel daran zu säen, dass die handelnden Personen in den Gremien und der Geschäftsführung ausschließlich im Interesse der Bundesliga und 2. Bundesliga handeln. Es soll offenbar der Eindruck erweckt werden, die DFL habe ein deutlich lukrativeres Angebot ohne Grund und entgegen jeder wirtschaftlichen Vernunft abgelehnt. Diese abstruse Behauptung entbehrt jeder Grundlage."

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Das sind schwere Vorwürfe gegenüber dem Streamingdienst, der mit dem Vorwurf des Missbrauchs marktbeherrschender Stellung durch die Liga vor gut einer Woche für eine Unterbrechung der Rechteauktion gesorgt hatte. Im Bieten um Paket B, das werthaltigste mit 196 Live-Spielen pro Spielzeit ab 2025/26, hatte DAZN offenbar das lukrativste Angebot dargelegt, allerdings zunächst keine Bankbürgschaft beigebracht, weshalb Sky den Zuschlag erhielt.

DAZN beschwerte sich über die vermeintlich kurze Frist, während man ligaseitig offenbar argumentierte, man benötige ob der Größe des Pakets höhere Sicherheiten als die bislang gültige Patronatserklärung, was auch aus den Ausschreibungsunterlagen hervorgehen soll. Gerüchten um Zahlungsausfälle widersprach das Medienunternehmen: "DAZN zahlte immer innerhalb der vereinbarten Zahlungsfristen mit der DFL." Was nicht ausschließt, dass Fristen im Einklang unter Partnern nach hinten verschoben wurden, wie es ein Artikel der FAZ insinuierte.

DFL will erforderliche Einnahmen realisieren

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Dazu passt ein weiteres Rundschreiben vom Freitagabend, das neben der Signatur von Merkel und Lenz die Unterschrift von Liga-Finanzdirektor Jörg Degenhart trägt. Darin steht: "Die Auskehrungsrate Juni 2024 wird von ursprünglich EUR 127 Mio. auf EUR 47 Mio. gekürzt. Grund hierfür ist, dass Erlöse in Höhe von rd. EUR 80 Mio. erst zu einem späteren Zeitpunkt in diesem Jahr vereinnahmt werden können, da Zahlungen von Partnern nicht zu den vertraglichen Fälligkeitsterminen erbracht werden konnten. (…) In Summe verringert sich die derzeit prognostizierte Gesamtauskehrungssumme von EUR 1.179 Mio. auf EUR 1.099 Mio."

Die Klubs müssen also auf 80 Millionen Euro verzichten, explizit genannt ist DAZN allerdings nicht. In dem anderen Schrieb hatten Merkel und Lenz genau auf dieses Problem abgestellt: "In diesem Zusammenhang betonen wir erneut: Zu unserer Verantwortung zählt auch, dafür Sorge zu tragen, dass die für die Liga, Clubs und die DFL GmbH erforderlichen Einnahmen auch tatsächlich realisiert werden. Dies umfasst, dass wir eine ausreichende Liquidität und Zahlungsfähigkeit aller Vertragspartner prüfen, bewerten und zur Voraussetzung einer Zusammenarbeit machen." Im Laufe der vergangenen Tage war der Konflikt Schritt für Schritt eskaliert, Statements und konfrontative Briefe schwirrten durch die Branche wie Giftpfeile.

Im Vorfeld des Rundschreibens hatte ein DAZN-Sprecher am Freitag gegenüber mehreren Medien erklärt, den Rechtsweg beschreiten zu wollen. Sollte die im Ausschreibungsprozedere Schiedsklage nicht den gewünschten Erfolg mit Blick auf Paket B bringen, will sich der Streamingdienst einem Bericht zufolge aus dem Verfahren zurückziehen. DAZN weiter: "Der Rechtsweg kann sich über Jahre hinziehen, beginnend mit einer Klage vor einem Schiedsgericht und möglicherweise über mehrere Instanzen vor deutschen Zivilgerichten ggf. unter Einbeziehung des Europäischen Gerichtshofs."

Der Ligaverband reagierte auch öffentlich umgehend: "Sollte DAZN die Schiedsklage einreichen, ist die DFL für ein solches Verfahren gut aufgestellt. Die DFL erwartet im Sinne zügiger Prozess- und Rechtssicherheit, die im allseitigen Interesse liegt, dass alle Beteiligten einen Schiedsspruch als endgültig und abschließend akzeptieren." Intern fand man offenkundig deutlichere Worte. Am Dienstag endet die Frist für die Einreichung der Schiedsklage bei der zuständigen Stelle, der Deutschen Institution für Schiedsgerichtsbarkeit (DIS).

Benni Hofmann

Fußball: Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball Liga (DFL), Pressekonferenz nach dem Ende der Versammlung.  Marc Lenz (l) und Steffen Merkel, DFL-Geschäftsführer.

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